mehmet entdeckt den situationismus.

einige ehrliche gedanken, und die ehrlichkeit besteht hier aus ihrer direktheit, nicht ehrlich an sich oder als jugendlicher wert, wirken, wenn sie ausformuliert werden, als widerlicher, kleiner pathos, achja, der sommer, eiscreme, wie schön, blabla, alles schon gehört, alles schon gelesen, leg dich in die wiese und sei still. dabei ist nicht alles so gemeint, es fehlen nur formen des neuen, kreativen sprechens, schreibens. und das fällt mir immer besonders im sommer auf, wenn ich in der sonne nach hause laufe, wahlweise auf den schattigen, dann wieder auf den lichtdurchfluteten, heissen bürgersteigen. 40-50 minuten, schaue in die immerselben schaufenster, betrachte mal mich, mal die kleidung, aber meistens eher mich, als würde ich mich erst durch die spiegelungen anerkannt fühlen (oho, jacques lacan! klein! freud! alles missverstanden). neben den „und das hätte ich dann sagen müssen“-konversationen, die man führt, fallen einem auf nachhausewegen auch andere dialoge ein: welche, die man führen sollte, mit bestimmten leuten. und jetzt ist ein guter moment für einen witz, für ein kurzes, unaufdringliches lachen. nie ist man eloquenter, nie bedachter um seine sätze, nie legt man mehr wert auf die pausen im dialog wie in diesen kopf-konversationen auf dem nachhauseweg. das äquivalent zu den großartigen forschungsideen, die einem unter der dusche kommen. „ich wünschte, ich hätte mir den traum gemerkt“, die hoffnungslose vorstufe zu „ich werde morgen früh immer noch wissen, was ich geträumt habe“ und weiterschlafen. nach hause gehen ist immer und immer wieder das gleiche bild malen, das gleiche lied hören, sich im fluss zwei mal mit demselben wasser waschen. wenn es regnet, geht es mir schlecht. aber was du da denkst ist hipster, ist prätentiös.
wann ist mir die fähigkeit abhanden gekommen, unvermittelt zu sein? seit wann ist ein baum kein baum mehr, sondern ein symbol für xy? wann habe ich das letzte mal argumentiert, ohne zu zitieren? warum war das ’sehr gut‘ in den forschungsarbeiten wichtiger als abends früher schlafen zu gehen? es gibt keine rechtfertigungen, kein ernstnehmen von einwänden: „das kann man nicht gegenüberstellen.“ doch. ich kann. und ich fühle mich schuldig. weil ich vergessen habe, über eine sendung oder ein youtube-video zu lachen, ohne mich augenzwinkernd und verachtend zu meinen freunden drehen zu müssen: haha, was ein schrott! scheisse, oder? ist doch alles nur scheisse. selbst in der rezeption verfolgt uns der leistungsgedanke. immer nur belehren, immer nur herabschauen, wozu?, ich bin nicht besser, nicht klüger als andere.

Flughafen2
weil ich arrogant war, überheblich: „was du sagst ist nicht wissenschaftlich.“ , „dazu gibt es keine studie.“ weil ich werden wollte wie jemand, aber nicht wie ich. weil ich mir habe einreden lassen, meine mir menschlich vorkommenden gedanken seien nicht natürlich, sondern anerzogen. und natürlichkeit muss nicht genetische determiniertheit bedeuten. es kann innere kontigenz sein, nicht wissen, nicht verstehen, sich selbst nicht entschlüsseln können. NEIN, DAS IST DIE HEGEMONIALE MACHT! wieso? vielleicht ist es einfach nur mal okay, ich zu sein, mich nicht manipulieren und gegenmanipulieren zu müssen, in permanenter dekonstruktion und reflektierter selbstzerstückelung. heute ist sonntag und die hegemoniale macht ist mir egal. und dann, in 10 jahren, wenn ich durch „fleiß“ und „leistung“ dort bin, wo ich glaubte, dass ich hingehöre, dann schreibe ich bei twitter ironische tweets, zerre an deutungshoheit, liege nachts im bett und denke drüber nach, wer mir alles zugestimmt hat. bin weiß und privilegiert und nicht-weiß und männlich und ängstlich und cis und nicht-fem und fem, benachteiligt verliebt, doof, entfremdet. ich habe keine lust mehr zu kämpfen. ich möchte verstehen, mich solidarisieren, anteil haben, liebe empfinden. WAS DU DA ISST, IST UNGESUND. aber es schmeckt mir doch. das leben ist ein einziges minenfeld geworden, alles ist nur noch falsch, alles nur noch trist, alles nur noch besitz, sei es kulturell, sozial oder ökonomisch. nirgends ist mehr platz für mich, wo ich ein glas mit zitronenbonbons öffnen könnte, in den himmel schauend, ohne grund, versteht ihr? nicht, weil ich kindlich sein will. nicht, weil ich ursprünglich sein will. ohne grund.
oft sitze ich in der straßenbahn, wenn ich mal keine lust habe zu gehen, und betrachte alles so eindrücklich, als sähe ich es zum ersten mal, fühle mich wie ein bourdieu, dessen arbeit sich darauf beschränkt, einfach nur zu schauen. ich sehe wie sich der müllmann und der straßenbahnfahrer lächelnd begrüßen, die hände leicht zum (ich imaginiere) proletarischen gruß ausgestreckt, verbrüdert durch reproduktionsarbeit, sich gegenseitig anerkennung zuteil werden lassend. ob dieser gedanke stimmt oder nicht, ist mir egal, aber es berührt mich. dérive.

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