mehmet dekonstruiert: ruhm über realness.

in was für einer heftig illusorischen welt leben menschen eigentlich, die sich über scheinbar „dümmere“ menschen immerfort „aufregen“ müssen? ist das aufregen ein sichtbares zeichen der überlegenheit nach außen?: ich ärgere mich über meine umgebung, nehme den anderen die aufregung über mich vorweg, ich bin REFLEKTIERT, ich mache mir luft, ich bin traurig, geängstigt, ja geradezu a-n-g-e-w-i-d-e-r-t, dumm sind sie alle, dumm und träge im geist, verachtenswert in ihrem geschmack und in ihrer liebe, und mit ihren buch-losen, film-losen samstagabenden, kommen schweissgebadet nachts um 3 nach hause, an den h&m-jacken klebt hautaufgerissene liebesscheisse, klebt versagen, nicht aber deine ich-phantasien von einer asketisch anorektischen exsistenz, nicht zusammengesunken rauchend, mit eingefallenen wangen, in die du dich hineinlegen willst. bourdieu, deine habitus-theorie kann ich nicht anziehen, kann ich anderen nicht ins gesicht schlagen, kann nicht drüber lachen: weg damit.
oder nein, die anderen wieder: sie wählen die falsche partei, essen das falsche essen, machen sich keine gedanken über heidegger, war heidegger nicht ein nazi, hä?, bin ich vielleicht ein nazi?, meinte ich eigentlich habermas, nein, habermas ist einer von den guten, halbwissen-fuck-you-adorno, alter, „die rache nennt sich hier strafe“, ihr geht mir alle auf den sack, kannst du nicht einfach dein besserwisserisches, süßkartoffeln-fressendes maul halten, man? ich geb’ ein großes F auf deine 500.twitter nachricht, in der du mit witz und geistreichen seitenhieben und wasnichtalles den thron der satire erklimmst, wie gut du bist, gleich 23 mal retweeten und überall dein einbettungscode einbetten, weil ich niemals mehr etwas so unvergänglich lustiges lesen werde; danke auch für all die blogeinträge, die hauptsätze, die galant gewählten übergänge, den chic, der sich bei mir wie ein roher ungekochter freisetzender umschüttender pudding anbiedert, für dein außergewöhnliches analytisches denken, für jede erkenntnis, die du vor dem supermarktregal gemacht hast, ich bin geflashed und verneige mich so tief in hochachtung und respekt, dass ich mich vom 3-meter-brett in die erde bohre, wie ein wurm, ein nachtfalter, wie der für uns nur nach unten fahrende fahrstuhl von ulrich beck, verneige mich so tief, dass ich untergrund bin, OH , nein, sorry, du bist ja untergrund, kelcheweise fame und lob trinkend, ich hänge in der luft, so leicht und leicht verdaulich sind meine ach-so-einfachen-gedanken, aber ist einfachheit nicht auch die neue komplexität?, diese ganzen shit-storys darüber, wie du nachts im taxi philosophierst und dann geht eine maus über die straße und du hast erkannt, dass du nur moritz lieben kannst, oder max, oder anette, in deiner germanophilen, direkten, wald-romantik-goethe-art, zu solch einfachen und ehrlichen gefühlen bist du in der lage, zu solchem tiefsinn in solchen von realness nur so dahinsterbenden real-worten, und wir, jahrelang zeit campus und neon-lesend, wir applaudieren mit offenen, bandagierten herzen, offenen mündern, sagen: OH! WELCH WEISHEIT, liebe KLARA! wie schön du schreiben kannst! bitte schreib doch noch 5 kurzgeschichten über unerfüllte, mac-book-artige, hinter dem schreibtisch nachdenkende kurzhaarschnittmädchen-love-dramen, please! wenn aber chantal diese sätze äußert, wenn ihr motto ein leben lang „träume nicht dein leben, sondern lebe deinen traum“ bleibt, dann müsst ihr euch über sie erbrechen, oder? ihr könnt nicht anders, denn in dem erhabenheits-erbrochenem, das in chantals transformierter aura zu chanel no 5 wird, steckt noch gerade so viel mitleid, so viel „ich meine es doch nur gut mit dir, unterschicht“, dass es gut gemeint sein könnte, wenn es gut gemeint wäre.
3274812463_d7f76f89b7_o immerzu muss man sich abgrenzen, muss man sich herausstellen, muss man sich zum müssen zwingen, nach euch allen folgt eine sintflut aus ironie, schwemmt euch mit euren vor frohsinn und spott gekräuselten mundwinkeln davon, aber wieso zerschlägt niemand die sprache, die struktur des ausdrucks, die grammatik, wieso nicht nicht-verstanden werden wollen, aufgehen in schutt voller leerer hülsen, blutiges wirres kämpfen um psychose statt um aufklärung, wieso nicht alles verlieren, wieso immer gewinnen müssen? nicht auf eine calvin-klein-smokey-look-jeansheamd-art, sondern entglitten und enttäuscht von diesem spiel, nach einer umarmung, einer hoffnung bittend. dies ist der unedle achtfache pfad des bruders, in sich erodierend, sich in sich schließend, keine neuerungen, kein neuanfang.

fotos: internet k-hole

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